Energiewirtschaftliche Bedeutung der Braunkohlenutzung in Deutschland

Das Institut für Energiewirtschaft und rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart (IER) hat die zukünftige energiewirtschaftliche Bedeutung der Braunkohlennutzung
im Rahmen der europäischen Klimapolitik und unter Berücksichtigung unterschied-
licher energiepolitischer Rahmenbe- dingungen abgeschätzt. Die kürzlich vorgelegte Untersuchung umfasst den Zeitraum bis 2030 sowie einen „qualitativen Ausblick auf die folgenden Jahrzehnte.“

Ziel der Studie ist es, den Beitrag der Braunkohle für die künftige Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der Stromversorgung im Spiegel der Modernisierung von Bestandskraft-
werken, dem Bau neuer effizienter Braunkohlenkraftwerke in Deutschland sowie der Anwendung von CCS-Technologien zu bestimmen.

Die Autoren gehen davon aus, dass eine isolierte Szenarioanalyse für Deutschland keine belastbaren Prognosen zulässt. Da die Reduktion der Treibhausgasemissionen, Steigerung der Energieeffizienz und Ausbau der erneuerbaren Energien durch gemeinsame Anstrengungen aller EU-Mitgliedsstaaten erreicht werden sollen, gibt es direkte Rückwirkungen der europäischen Energie- und Klimapolitik auf das deutsche Energiesystem. Darüber hinaus führen das europäische Emissionshandelssystem sowie der Energieaustausch, insbesondere
der grenzüberschreitende Stromaustausch, zu vielfältigen Wechselwirkungen.

Hier als pdf-Datei verfügbar sind
die Sudie, eine Zusammenfassung in  Informationen und Meinungen sowie eine Presseinformation.

Studie Energiewirtschaftliches Gesamtkonzept 2030

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) hat gemeinsam mit den Verbänden BDI, DEBRIV, GVSt, und VGB PowerTech die Erarbeitung einer Studie „Energiewirtschaftliches Gesamtkonzept 2030“ durch das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) und die Energy Environment Forecast Analysis (EEFA) GmbH in Münster initiiert. Die Studie wurde im Sommer 2008 in gedruckter Form vorgelegt. Sie  gliedert sich in vier Teile:

Teil I führt in die aktuelle energiepolitische Diskussion in Deutschland und Europa ein und skizziert die Methodik der Studie.

Teil II entwickelt vier Politikszenarien der deutschen Energiewirtschaft bis 2030 im internationalen Kontext: Konzeption, Annahmen und Ergebnisse der Szenarien werden dokumentiert.

Teil III der Studie enthält eine vertiefende Analyse zu fünf Themenfeldern, die für die Bewertung der Szenarien von besonderer Bedeutung sind:

  • Versorgungssicherheit in Bezug auf Erdgas,
  • Erneuerbare Energien in Deutschland und Europa,
  • Wirkungsmechanismen des europäischen Emissionshandelssystems,
  • Energieeffizienz in der Industrie
  • und Bedeutung von Stromkosten energieintensiver Produktionen in der EU.

Teil IV fasst die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen und zieht Folgerungen für die Energiepolitik.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen und Schlussfolgerungen aus der Studie zählen:

  • Bei einer Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke sind im Zeitraum 2020 bis 2030 die CO2-Emissionen aus der Stromerzeugung um rund 20 Prozent niedriger als bei einem Auslaufen der Kernenergienutzung. Gleichzeitig sind die Strompreise auf Großhandelsebene im Jahr 2020 um 8 Prozent und im Jahr 2030 um 12 Prozent niedriger als in einem Szenario, das ein Auslaufen der Kernenergie in Deutschland unterstellt.
  • Die kostenfreie Zuteilung der CO2-Emissionszertifikate stellt einen Anreiz zur forcierten Erneuerung des Kraftwerksparks dar und sichert bei geeigneter Ausgestaltung einen ausgewogenen Energieträgermix in der Stromerzeugung in Deutschland. Gleichzeitig wird einer drohenden Kapazitätslücke entgegen gewirkt. Dies dämpft die Strompreisentwicklung. Demgegenüber hätte eine Vollauktionierung der CO2-Emissionszertifikate zur Folge, dass Kohle aus der Stromerzeugung herausgedrängt wird. Die Strompreise auf der Großhandelsebene wären bei 100 % Versteigerung im Jahr 2020 real um rund 15 % höher als bei kostenfreier Zuteilung. Höhere Strompreise ziehen Arbeitsplatzeffekte nach sich. In der Studie wird aufgezeigt, dass bis 2020 im Vergleich zu einem Szenario mit kostenfreier Zuteilung rund 200.000 Arbeitsplätze verloren gehen – im Wesentlichen als Folge der Abwanderung energieintensiver Produktionen.
  • Die CCS-Technologie wird – neben der Effizienzsteigerung durch fortgesetzt verbesserte Wirkungsgrade – als wichtiger Ansatzpunkt gesehen, die Kohle noch klimafreundlicher zur Stromerzeugung nutzen zu können. Für die Forcierung von Technologien zur CO2-Abscheidung und -Speicherung ist zeitnah der notwendige Rechtsrahmen zu schaffen. Ferner sind adäquate finanzielle Förderinstrumente für die Errichtung von Demonstrationsanlagen – insbesondere für den notwendigen Aufbau der Infrastruktur – notwendig. Damit wird die kosteneffiziente Realisierung ambitionierter Ziele zum Klimaschutz begünstigt.