The future of lignite power

Athur D. Little hat im Februar 2015 unter dem Titel

The future of lignite power
A viewpoint on the “Energiewende” and its impact on lignite power

eine Studie zur Braunkohle in Deutschland veröffentlicht.

Kernaussagen sind:

  • Braunkohle ist ziemlich „robust“ gegenüber Änderungen der Brennstoff- und CO₂-Kosten, auch wenn z.B. Gas und Steinkohle deutlich billiger werden
  • Für das ETS werden für 2020/25/30/40/50 Zertifikatskosten von 12/30/48/78/91 Euro angesetzt, ein merklicher Einbruch der Erzeugung aber erst ab 2040 (minus 27%) / 2050 (minus 31%) erwartet
  • Die KW-Kapazitäten bleiben noch auf Jahrzehnte relativ stabil (Prognose 2020 bei 22 GW, 2030 bei 19 GW, 2040 bei 16 GW, aber 2050 nur noch 5 GW)
  • Die größten Risiken kommen aus dem Bereich Politik/Regulierung sowie öffentliche Meinung

Studie Energiewirtschaftliches Gesamtkonzept 2030

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) hat gemeinsam mit den Verbänden BDI, DEBRIV, GVSt, und VGB PowerTech die Erarbeitung einer Studie „Energiewirtschaftliches Gesamtkonzept 2030“ durch das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln (EWI) und die Energy Environment Forecast Analysis (EEFA) GmbH in Münster initiiert. Die Studie wurde im Sommer 2008 in gedruckter Form vorgelegt. Sie  gliedert sich in vier Teile:

Teil I führt in die aktuelle energiepolitische Diskussion in Deutschland und Europa ein und skizziert die Methodik der Studie.

Teil II entwickelt vier Politikszenarien der deutschen Energiewirtschaft bis 2030 im internationalen Kontext: Konzeption, Annahmen und Ergebnisse der Szenarien werden dokumentiert.

Teil III der Studie enthält eine vertiefende Analyse zu fünf Themenfeldern, die für die Bewertung der Szenarien von besonderer Bedeutung sind:

  • Versorgungssicherheit in Bezug auf Erdgas,
  • Erneuerbare Energien in Deutschland und Europa,
  • Wirkungsmechanismen des europäischen Emissionshandelssystems,
  • Energieeffizienz in der Industrie
  • und Bedeutung von Stromkosten energieintensiver Produktionen in der EU.

Teil IV fasst die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen und zieht Folgerungen für die Energiepolitik.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen und Schlussfolgerungen aus der Studie zählen:

  • Bei einer Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke sind im Zeitraum 2020 bis 2030 die CO2-Emissionen aus der Stromerzeugung um rund 20 Prozent niedriger als bei einem Auslaufen der Kernenergienutzung. Gleichzeitig sind die Strompreise auf Großhandelsebene im Jahr 2020 um 8 Prozent und im Jahr 2030 um 12 Prozent niedriger als in einem Szenario, das ein Auslaufen der Kernenergie in Deutschland unterstellt.
  • Die kostenfreie Zuteilung der CO2-Emissionszertifikate stellt einen Anreiz zur forcierten Erneuerung des Kraftwerksparks dar und sichert bei geeigneter Ausgestaltung einen ausgewogenen Energieträgermix in der Stromerzeugung in Deutschland. Gleichzeitig wird einer drohenden Kapazitätslücke entgegen gewirkt. Dies dämpft die Strompreisentwicklung. Demgegenüber hätte eine Vollauktionierung der CO2-Emissionszertifikate zur Folge, dass Kohle aus der Stromerzeugung herausgedrängt wird. Die Strompreise auf der Großhandelsebene wären bei 100 % Versteigerung im Jahr 2020 real um rund 15 % höher als bei kostenfreier Zuteilung. Höhere Strompreise ziehen Arbeitsplatzeffekte nach sich. In der Studie wird aufgezeigt, dass bis 2020 im Vergleich zu einem Szenario mit kostenfreier Zuteilung rund 200.000 Arbeitsplätze verloren gehen – im Wesentlichen als Folge der Abwanderung energieintensiver Produktionen.
  • Die CCS-Technologie wird – neben der Effizienzsteigerung durch fortgesetzt verbesserte Wirkungsgrade – als wichtiger Ansatzpunkt gesehen, die Kohle noch klimafreundlicher zur Stromerzeugung nutzen zu können. Für die Forcierung von Technologien zur CO2-Abscheidung und -Speicherung ist zeitnah der notwendige Rechtsrahmen zu schaffen. Ferner sind adäquate finanzielle Förderinstrumente für die Errichtung von Demonstrationsanlagen – insbesondere für den notwendigen Aufbau der Infrastruktur – notwendig. Damit wird die kosteneffiziente Realisierung ambitionierter Ziele zum Klimaschutz begünstigt.

The Future Role of Coal in Europe

Im Auftrag von EURACOAL, dem Verband der europäischen Kohleindustrie, sowie zahlreichen weiteren Verbänden und Unternehmen der kohlegewinnenden und -nutzenden Industrie hat Prognos im Sommer 2007 ein Gutachten zur zukünftigen Rolle der Kohle in Europa (The Future Role of Coal) vorgelegt. Die Untersuchung erfolgte auf Basis von Szenarien, bei denen ein breites Spektrum der unterschiedlichen Einflussfaktoren aufgespannt wurde. Wichtige berücksichtigte Einflussfaktoren sind: Energiepolitik (Kernenergiepolitik, Förderung Erneuerbarer Energien, Marktstruktur), Klimavorsorgepolitik, technische Entwicklung, Energiepreise. Diese Einflussfaktoren sind für die einzelnen Länder separat untersucht und dokumentiert worden. Insgesamt decken die Szenarien ein breites Spektrum an unterschiedlichen Entwicklungsrichtungen ab. Nach den politischen Beschlüssen des EU Rates von März 2007 werden bei den Szenarien Fälle eher wahrscheinlich, die eine anspruchsvolle CO2-Minderungspolitik verfolgen.

Die Ergebnisse werden in erster Linie bestimmt durch Höhe und Abstand der Gas-/Kohle-Preise. In zweiter Linie werden sie durch die CO2-Minderungspolitik beeinflusst, deren Intensität sich in der Höhe der CO2-Preise widerspiegelt.

Im Ergebnis hat die Kohle in der Stromversorgung sowohl eine exzellente Langzeitperspektive als auch eine gute Wettbewerbsposition. Die Marktstellung der Kohle verbessert sich bei steigenden Gaspreisen weiter. Die Zukunft der Kohle in Europa wird auch bestimmt durch technologische Antworten auf das Klimaproblem. Mit der CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) stehen Verfahren zur Verfügung, die zukünftig, das heißt nach 2020, bei systematischer Entwicklung unter angemessenen Rahmenbedingungen eine weitgehende Vermeidung des CO2-Ausstoßes zu vertretbaren Kosten verwirklichen können. Nicht weniger wichtig sind weitere Effizienzverbesserungen bei den Kraftwerken.