Braunkohlestrom stärkt Unabhängigkeit von Energieimporten / Unternehmen gestalten Strukturentwicklung aktiv mit

Radebeul (20.05.2022) – „Die heimische Braunkohle wird im Energiemix benötigt, bis erneuerbare Energien zusammen mit Stromnetzen und –speichern eine sichere Stromversorgung leisten können“, betonte Dr.-Ing. Philipp Nellessen, neuer Vorsitzender des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins (DEBRIV), auf dem diesjährigen Braunkohlentag. Dieser fand am Donnerstag in Radebeul statt. Nellessen begrüßte zudem die Debatte über eine weitgehend von Energieimporten unabhängige Energieversorgung Deutschlands. Sollte die Politik entscheiden, dass nach dem Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) stillzulegende Anlagen doch verfügbar sein sollen, so sehe sich die Braunkohle als Teil der kritischen Infrastruktur und werde ihrer Verantwortung nachkommen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellte in seiner Ansprache heraus, dass die Braunkohle für die deutsche Energieversorgung weiterhin eine bedeutende Rolle spielt: „Zeitenwende bedeutet für die Energieversorgung eine Neuausrichtung. Da Wind und Sonne nicht immer verfügbar sind, braucht ein regeneratives Energiesystem eine Backupsicherung. Erdgas aus Russland kommt dafür nicht mehr in Frage. Damit verbietet sich ein vorgezogener Ausstieg aus der Braunkohleverstromung in Anbetracht der dramatischen Stromlücken.“

Gleichzeitig dankte der Ministerpräsident den Unternehmen für ihr Engagement in der Strukturentwicklung der Braunkohlereviere. Nellessen erklärte: „Wir stellen uns nicht gegen den Kohleausstieg. Wir gestalten ihn aktiv mit. Gemeinsam mit den Regionen investieren wir in erneuerbare Energien. Das rheinische Revier, das Lausitzer Revier und das Revier in Mitteldeutschland sollen auch in Zukunft starke Wirtschaftsregionen mit guten Arbeitsplätzen und einem Schwerpunkt auf der Energiewirtschaft bleiben.“

Als erfolgreiche Entwicklungen hob Nellessen unter anderem das „BigBattery Lausitz“-Projekt der LEAG, das RWE-Innovationszentrum Niederaußem, sowie das MIBRAG-Projekt „Erneuerung MIBRAG im Revier“ (EMIR) in Mitteldeutschland hervor. Klar, so Nellessen, sei jedoch, dass ein guter Strukturwandel nicht über Nacht gelinge. „Er benötigt Zeit und ist mühsam. Wir gestalten diesen Wandel bereits aktiv, dürfen die Menschen in den betroffenen Regionen dabei aber keinen vermeidbaren ökonomischen und sozialen Belastungen aussetzen.“

Dr.-Ing. Philipp Nellessen zum Vorsitzenden des DEBRIV-Vorstandes gewählt

Radebeul (19.05.2022) – Dr.-Ing. Philipp Nellessen ist neuer Vorsitzender des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins (DEBRIV). Die Mitgliederversammlung wählte ihn im Rahmen des diesjährigen Braunkohlentages an diesem Donnerstag in das Amt. Nellessen ist Teil des Vorstandsteams der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG). Dr. Lars Kulik hat weiterhin das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden inne.

Der DEBRIV verabschiedete zudem den bisherigen Vorsitzenden, Dr. Helmar Rendez, und dankte ihm für die langjährige erfolgreiche Arbeit. Rendez gehörte seit 2016 dem Vorstand des Verbandes an und war von 2018 bis 2022 dessen Vorsitzender.

Nellessen betonte in seiner Antrittsrede, dass er sich zum einen nachhaltig für die Interessen der Braunkohleindustrie und ihrer Beschäftigten einsetzen werde und damit weiterhin für eine sichere, bezahlbare und zuverlässige Energieversorgung in Deutschland. Zum anderen fokussiert er sich auf die aktive Gestaltung des Strukturwandels und die Chancen zum Aufbau CO₂-freier Energiequellen auf ehemaligen Braunkohleflächen. Ein starkes Engagement im Strukturwandel in den Revieren zur Vermeidung von Strukturbrüchen, wie in der 90er-Jahren gesehen, ist ihm ein zentrales Anliegen.

Dr.-Ing. Philipp Nellessen (1977) studierte an der Ruhr-Universität Bochum Bauingenieurwesen und wurde 2005 zum Dr.-Ing. promoviert. Er arbeitete als Projektleiter und Manager für die Boston Consulting Group sowie als Bereichsleiter Geschäftsoptimierung Bergbau bei der Nystar AG in Zürich. Vor seinem Wechsel in den LEAG-Vorstand im September 2021 verantwortete Nellessen zuletzt als CEO bei Thyssenkrupp den Anlagenbau, darunter Bergbau und Kraftwerke des Konzerns in Afrika und dem mittleren Osten.

Buchveröffentlichung: „Bergbau und Umsiedlungen im Mitteldeutschen Braunkohlenrevier“

Markkleeberg (17.05.2022) – Die Gewinnung der Braunkohle im Mitteldeutschen Braunkohlenrevier ist eng verbunden mit dem Thema Umsiedlungen. Diesem durchaus komplexen Thema der Regionalgeschichte widmet sich jetzt umfassend das im SAX-Verlag erschienene Buch „Bergbau und Umsiedlungen im Mitteldeutschen Braunkohlenrevier“. Im Raum Gräfenhainichen, Bitterfeld, Delitzsch, Leipzig, Borna, Altenburg, Zeitz, dem Geiseltal, Halle und Nachterstedt gingen seit 1925 insgesamt 140 Ortslagen ganz oder teilweise verloren. Die Umsiedlungen betrafen rund 53.000 Menschen.

Das Buch spannt einen thematischen Bogen von der Raumordnung über die Siedlungsentwicklung bis hin zur Sozialverträglichkeit. Mit umfangreichem Karten- und Bildmaterial, Detaildarstellungen, Zeitzeugeninterviews und Analysen historischer Dokumente ermöglicht die Monographie eine differenzierte Sicht auf die sozialen Auswirkungen bergbaulicher Aktivitäten im Kontext sich verändernder energie- und umweltpolitischer Rahmenbedingungen.

Herausgeber sind die Kulturstiftung Hohenmölsen, die selbst auf die 1998 abgeschlossene Umsiedlung der Gemeinde Großgrimma zurückgeht, sowie Prof. Dr. Andreas Berkner als langjähriger Kenner der Bergbau- und Landschaftsentwicklung im Revier. Berkner übernahm die Schriftleitung und damit die Koordination eines umfassenden Netzwerks aus engagierten Heimatforschern, Betroffenen, Bergleuten und Wissenschaftlern.

Inhaltsübersichten und ausführliche Leseproben finden sich unten dem folgenden Link: https://www.sax-verlag.de/detailview?no=29-266

Flyer_Umsiedlungen